Gefälschte Bewirtungsbelege in Sekunden, geklonte Stimmen aus einer 30-Sekunden-Sprachnachricht, ausgetauschte Gesichter live in der Videokonferenz: Deepfakes machen Manipulationen viel einfacher. Alte Erkennungsmerkmale wie sechs Finger oder verschwommene Ränder sieht man kaum noch.
Beim Ausdrucken von digitalen Beweisen gehen Metadaten verloren
Dr. Franka Becker beschreibt im Podcast einen technischen Rüstungswettlauf: Sobald eine Detektionsmethode publik wird, entwickelt die KI eine Gegenmethode. Besonders bedrohlich sei Voice Cloning: Eine kratzige Verbindung wirke alltäglich, die synthetische Stimme lasse sich kaum noch vom Original unterscheiden – inklusive Akzent, Sprechpausen und Atmung.
Auch für die Justiz hat das Folgen: Druckt jemand digitale Beweise wie WhatsApp-Verläufe aus, gehen Metadaten verloren, die einen Deepfake entlarven könnten. Becker rechnet damit, dass Gerichte künftig deutlich häufiger Sachverständige einbinden müssen, um digitale Beweismittel zu prüfen.
Mit ihrem Mitgründer Fabian Rittmeier hat Becker das Legal-Tech-Unternehmen PyleHound aufgebaut. Die Anwendung soll moderne KI mit dem strengen anwaltlichen Berufsrecht und der DSGVO vereinen. Daten bleiben auf dem Rechner der Nutzer, an das Sprachmodell werden sie nur verschlüsselt und ohne Zwischenspeicherung übermittelt.
Halluzinationen begegnet das Team mit einem klaren Prinzip: Weiß PyleHound etwas nicht, erfindet das Programm nichts, sondern gibt zu, keine Antwort zu haben. Nutzer können per Mouseover jede Textzeile bis zum Originaldokument zurückverfolgen. „Jeder Anbieter von KI, der sagt: ,Wir bieten unsere Lösung halluzinationsfrei an‘, lügt schlichtweg“, so Becker.
Legal Tech aus Deutschland für kleinere Kanzleien
Zielgruppe von PyleHound sind mittelgroße Kanzleien, Boutique-Einheiten und Einzelanwältinnen. Sie sollen mit KI so schlagkräftig arbeiten wie Großkanzleien, unleserliche Scans, Handschriften und Audiodateien verarbeiten und wieder Kapazitäten für Strategien und Mandantengespräche gewinnen. Über eine Feature-Umfrage bestimmen die Nutzer die Roadmap für 2026 mit.