Verträge, Rechnungen, Zeichnungen, Videos: In Unternehmen schlummert ein riesiger Schatz an Content – oft verteilt auf zahlreiche Systeme und Inseln. Wie lässt sich dieses Wissen mit KI sicher nutzbar machen, ohne neue Silos zu schaffen?
Die Firma Box hat ihre Wurzeln im File-Sharing, versteht sich heute aber als Plattform für den Umgang mit Firmen-Content. „Wir kümmern uns mehr um einen der wichtigsten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Rohstoffe im Unternehmen: den Content“, sagt Michael Pietsch. Über 1.500 native Integrationen verbinden Anwendungen wie Salesforce, ServiceNow, SAP oder Teams.
KI-Filesystem mit sieben Sicherheitsebenen
Im Mittelpunkt steht für Pietsch das Konzept eines KI-Filesystems. Unternehmen müssten nachweisen, dass ein Sprachmodell (LLM) ausschließlich auf eigene Daten zugreift und Berechtigungen sauber abgebildet sind. Box arbeitet dabei agnostisch und unterstützt unter anderem OpenAI, Anthropic und Mistral.
Ein zentrales Problem sieht Pietsch darin, dass Mitarbeiter Dokumente unkontrolliert in externe KI-Dienste hochladen. Um effizienter zu arbeiten, greifen sie dabei auf beliebige Tools zurück. Die Lösung: KI direkt auf den Firmen-Content anwenden – abgesichert durch granulare Zugriffsrechte über sieben Sicherheitsebenen bis auf Dateiebene und integriert in Systeme wie Okta oder Active Directory.
Workflows automatisieren und Vertrauen schaffen
Workflows wie Rechnungsprüfung oder NDA-Prozesse lassen sich laut Pietsch über Metadaten-Extraktion automatisieren. Rechnungen bis zu einem festgelegten Betrag werden automatisch freigegeben, größere Beträge durchlaufen hingegen mehrstufige Freigaben. So entstehe eine spürbare Entlastung für die Beschäftigten.
Deutschland sei bei neuen Technologien eher „Third Follower“. Datenschutz, Compliance und digitale Souveränität hätten einen hohen Stellenwert, gleichzeitig brauche es aber mehr Mut. Vertrauen sei entscheidend, damit KI nicht reflexhaft verboten, sondern auf sicherem Weg ermöglicht werde.
Mit Blick auf die kommenden Monate erwartet Pietsch eine zunehmende Agent-World, in der Silos zwischen Anwendungen aufweichen. Profitieren würden gerade kleine und mittelständische Unternehmen, wenn sie ihr vorhandenes Wissen schneller auffindbar und nutzbar machen.