Bis zu hundert Millionen Angriffsversuche registriert das Security Operations Center der Deutschen Telekom täglich. Wie sich Cyberabwehr in Zeiten von Agentic AI verändert und warum die Geschwindigkeit entscheidet, erklärt Thomas Tschersich im Podcast.
Die schiere Masse der Angriffe lässt sich nur noch durch Automatisierung bewältigen. Rund 80 Prozent der Prozesse in der Cyberabwehr laufen bei der Telekom bereits automatisiert – von der Erkennung bis zur Incident Mitigation. Über ihr eigenes Netz sieht die Telekom Angriffe rund 20 Millisekunden, bevor sie den Kunden erreichen. Dieser Zeitvorsprung reicht, um mit On-Net-Security-Lösungen bis zu 80 Prozent der Attacken abzuwehren.
Angreifer schlagen in Sekunden zu
Besonders drastisch zugenommen haben DDoS-Angriffe: von rund 3.000 pro Woche vor einem Jahr auf inzwischen etwa 30.000. Zugleich verkürzt Agentic AI die Reaktionszeiten radikal. Wo früher Monate zwischen einem Software-Update und den ersten Angriffen lagen, sind es heute mitunter nur noch Minuten. „Wenn wir uns da nicht drauf einstellen, dann werden die Angreifer gewinnen“, warnt Tschersich.
Spezialisierte Sprachmodelle wie Mythos oder GPT Cyber finden in kürzester Zeit Zehntausende Schwachstellen in Code-Basen, die teilweise 20 Jahre alt sind. Das setzt die Verteidiger unter Druck: Ohne automatisiertes Beheben – etwa per Merge Request in einer CI/CD-Chain mit Human-in-the-Loop – lassen sich die Lücken nicht mehr schließen.
Identitäten für KI-Agenten zählen zum Pflichtprogramm
Deepfakes verschärfen die Lage zusätzlich: Schon fünf bis zehn Sekunden lange Audio- oder Videoausschnitte reichen, um die Stimme oder das Gesicht zu fälschen. Als Antwort sieht Tschersich digitale Identitäten und Biometrie – auch für KI-Agenten. „Wir brauchen künftig so etwas wie eine Personalabteilung für KI-Agenten“, sagt der Sicherheitschef. Berechtigungskonzepte, ein Vier-Augen-Prinzip mit Challenger-Agenten und Model-Router zur Auswahl passender KI-Modelle gehören zu den neuen Bausteinen.
Vor allem Open Source dürfte die Community in den nächsten zwei bis drei Jahren stark beschäftigen. Auch unkritische Schwachstellen müssen konsequent geschlossen werden, da KI in der Lage ist, diese zu kombinieren. Auf der DIGITAL X am 8. September in Köln möchte die Telekom Entscheidern zeigen, wie sie schon für rund zehn Euro pro Nutzer und Monat ein solides Sicherheitsniveau erreichen und die wichtigsten 95 Prozent der Bedrohungen abdecken.