Sicherheit lässt sich nicht mehr nur als Mauer um das Unternehmensnetz denken. Angreifer arbeiten schneller und entdecken Schwachstellen im Handumdrehen, während die Beschäftigten und Anwendungen über zahlreiche Standorte und Clouds verteilt sind. Niklas Horstmann plädiert dafür, Security direkt ins Netzwerk zu integrieren, statt sie obendrauf zu schrauben.
Vom Perimeter zur segmentierten Architektur
Das klassische Perimeter-Modell greift mittlerweile zu kurz – Firmen müssen davon ausgehen, dass sich ein Angreifer bereits im Netz befindet. Segmentierung und die kontinuierliche Überprüfung von Verbindungen nach dem Zero-Trust-Prinzip lösen die einstige Mauer ab. Horstmann beschreibt den Ansatz am Beispiel eines KRITIS-Kunden: Resilienz, vielfältige Anbindungen über Festnetz, Mobilfunk und im Extremfall Satellit sowie eine differenzierte Absicherung von IT- und OT-Systemen bestimmen die Architektur.
Statt mit der Bandbreite zu beginnen, richtet die Telekom ihre Netzwerkkonzepte konsequent an den Geschäftszielen ihrer Kunden aus. „Das Netzwerk wird vom reinen Enabler zu einem neuen Risikofaktor, wenn es schlecht läuft“, sagt Horstmann. Mikrosegmentierung, Visibilität über alle Tools und die Einbindung von Cloud-Ressourcen greifen dabei wie Puzzleteile ineinander.
Tool-Vielfalt als Sicherheitsrisiko
Im gehobenen Mittelstand setzen Unternehmen häufig Hard- und Software von zwei bis drei Dutzend Herstellern ein. Mehr Tools bedeuten aber nicht mehr Sicherheit, denn je mehr Systeme zum Einsatz kommen, desto mehr Aufwand erfordert das Patchen. Hinzu kommt: KI-basierte Angriffe kombinieren mehrere vermeintlich unkritische Schwachstellen zu einem kritischen Einfallstor. Horstmann rät, die Mindestanzahl nötiger Tools zu ermitteln und zwischen dem Best-of-Suite- und dem Best-of-Breed-Ansatz abzuwägen.
Mit dem Produkt „Security OnNet“ integriert die Telekom Sicherheitsfunktionen direkt in Festnetz- und Mobilfunkanschlüsse. Der Datenverkehr wird im Netz analysiert, bevor er das Endgerät erreicht. Auch KI-Agenten müssen Horstmann zufolge wie menschliche Nutzer behandelt werden: Sie benötigen einen digitalen „Mitarbeiterausweis“ mit klar definierten Zugriffsrechten.
Beim Thema Souveränität warnt Horstmann vor zwei Extremen – weder Autarkie noch das Ignorieren der Frage seien tragfähig. Entscheidend seien Daten- und Betriebssouveränität. Data Residency in Europa, technisch abgesicherter Zugriffsschutz und zertifiziertes Personal für das Management gehören für ihn zum Pflichtprogramm. Bei „Security OnNet“ verlassen die Daten das Telekom-Netz nicht, Zugriff erhält nur zertifiziertes Telekom-Personal.
Wie Secure Networking, Cloud, KI und digitale Souveränität zusammenwirken, erläutert Horstmann am 8. September auf der DigitalX in Köln.
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