LinkedIn oder Xing: Welches berufliche Netzwerk Ihnen mehr nützt

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Wenn von Social Media die Rede ist, geht es meist um jene Plattformen, die im Rampenlicht stehen und mitunter auch für Schlagzeilen sorgen: Facebook, Twitter, Telegram, TikTok usw. Die damit verbundenen Turbulenzen befeuern immer wieder die Frage, inwieweit Unternehmen diese Kanäle überhaupt für Marketingzwecke nutzen sollten. Für die Berufsnetzwerke LinkedIn und Xing gilt das kaum, und ihre Nutzerzahlen reichen auch nicht an die großen Social Media heran. – Das ist aber kein Grund, sie außer Acht zu lassen!

Welche Social-Media-Dienste Sie als Unternehmen sinnvollerweise nutzen sollten, mit welchen Inhalten und in welchem Umfang, das ist angesichts der vielen Plattformen praktisch nur noch von den Spezialisten einer Social-Media-Agentur zu beantworten. Unabhängig von Branche und Größe Ihres Unternehmens dürfte aber auf jeden Fall eines der beiden maßgeblichen beruflichen Netzwerke dabei sein: LinkedIn und Xing.

Unternehmen sollten nicht nur für Kunden, sondern immer auch für Job-Suchende online sichtbar sein, am besten mit einem Unternehmensprofil auf Xing oder LinkedIn. Bild: © Андрей Яланский - AdobeStock

 

Unternehmensprofile auf Xing und LinkedIn – die Business-Visitenkarte

Online sichtbar sein ist nie verkehrt. Auch wenn Sie sonst nicht viel mit Social-Media-Marketing am Hut haben sollten, so ist doch ein professionell gestaltetes Unternehmensprofil bei Xing ebenso wie bei LinkedIn eine selbsterklärende Maßnahme. Denn ähnlich wie bei den etablierten Verzeichnisdiensten (Gelbe Seiten etc.) geht es zunächst einfach darum, über die eigene Website hinaus im Internet gefunden zu werden und – da beide Berufsnetzwerke für Suchmaschinen als vertrauenswürdige Quelle gelten – relativ hochwertige Backlinks auf die eigenen Internet-Seiten zu erhalten.

Die Mitgliederzahlen in Deutschland liegen bei LinkedIn mit 14 Mio. und Xing mit über 17 Mio. in etwa in der gleichen Größenordnung, was für die spezielle Zielgruppe auch recht ansehnlich ist. Beide Plattformen setzen bei einem Unternehmensprofil voraus, dass jemand einen persönlichen Account anlegt, an dem das Profil dann „hängt“.

 

Bei der Frage „LinkedIn oder Xing“ kommt es darauf an

Spoileralarm: Die Vorteile von LinkedIn für Unternehmen (oder eben Xing) hängen fast immer vom jeweiligen Verwendungszweck ab. Es geht also nicht um LinkedIn versus Xing. Vor allem für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wird oft empfohlen, beide Netzwerke zu nutzen. Die Optionen sind jedenfalls zahlreich und überschneiden sich teilweise.

Hier nun ein Vergleich der wesentlichen Eigenschaften:

  • Nutzungsmöglichkeiten: Beide Netzwerke bieten eine kostenlose Basisversion, bei der z. B. Unternehmensprofile oder die Möglichkeit, Beiträge zu posten, inklusive sind. Die Bezahlmodelle sind etwas unübersichtlich. Das Xing-Premiumprofil (ab 7,95 Euro mtl.) reizt vor allem durch Offenlegung der Besucher. Das Employer-Branding-Profil (ab 357,50 Euro mtl.) dient in erster Linie dem Recruiting. LinkedIn Premium gibt es für 10,08 Euro mtl. Das entsprechende LinkedIn-Angebot für Personalsuche heißt Karriereseiten bzw. Recruiter oder Job Slots – mit verschiedensten Preismodellen.
  • Zielgruppe geografisch: Die jeweiligen Nutzerzahlen im deutschsprachigen Bereich (D-A-CH) liegen nicht weit auseinander. LinkedIn ist aber von vornherein ein globales Netzwerk und in diesem Maßstab mit fast 650 Mio. Nutzern deutlich größer. Für weiter reichende internationale Geschäftsbeziehungen ist also die LinkedIn-Unternehmensseite die richtige Wahl.
  • Zielgruppe nach Status: Beim Hochschulabschluss etwa gibt LinkedIn 51 % an, Xing 35 %; LinkedIn-Nutzer sind zudem tendenziell jünger. Etwa ein Drittel der Xing-Nutzer sind in der leitenden Führungsebene tätig. Hinsichtlich der vertretenen Unternehmen findet man tendenziell bei LinkedIn mehr große Firmen, Xing ist die Domäne der KMU.
  • Soziale Interaktionen: LinkedIn-Nutzer werden oft als aktiver wahrgenommen. Dem entspricht, dass LinkedIn seine Stärke eher in der Contentverbreitung hat, Xing mehr bei Events und (lokalen/regionalen) Gruppen.
  • Recruiting: Personal- und Stellensuche sind bei beiden Kanälen möglich. Speziell in Deutschland liegt Xing hier aber vorne, wobei dem Kanal die Verbindung mit Kununu zugute kommt. Zwischen den beiden Plattformen gibt es aber Unterschiede bei den Schwerpunkten nach Branchen und nach beruflicher Position, wie der Adecco Stellenindex Deutschland verrät.
  • Anzeigen: LinkedIn punktet mit sehr detailliertem Targeting (z. B. bis hin zu Personal mit Erfahrung bei einer bestimmten Firma) für die verschiedenen Anzeigenformate, bei denen Tages- oder Gesamtbudgets zur Wahl stehen. Präzises Targeting ist aber auch bei Xing möglich. Die Kosten variieren stark nach Ausrichtung, aber als Anhaltswerte listet etwa Morefire für LinkedIn/Xing: CPC 4,–/5,– Euro bzw. TKP 40,–/20,– Euro.

 

Fazit: Xing und LinkedIn bieten Unternehmen gerade im B2B-Bereich eine sehr gezielte und hochwertige Reichweite. Im deutschsprachigen Bereich liegt Xing knapp vor LinkedIn, im internationalen Marketing ist Xing allerdings nahezu unbedeutend. Social Selling und Lead-Generierung  funktionieren jedoch auf beiden Plattformen recht gut. Deren Nutzer sind nämlich – im Gegensatz zu Facebook oder Instagram – durchaus daran interessiert, Geschäftskontakte zu knüpfen, Angebote zu erhalten oder Kooperationen einzugehen.

Spezielle Marketing-, Werbe- und Recruitingmaßnahmen erfordern allerdings sowohl bei Xing als auch bei LinkedIn eine relativ intensive Beschäftigung mit den angebotenen Möglichkeiten. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen, die über die Basismitgliedschaften hinaus – und eventuell nur ab und zu – solche Maßnahmen durchführen wollen, empfiehlt sich eine professionelle Beratung. Dabei kann und sollte auch die Art der Einbindung der beruflichen Netzwerke in die Social-Media-Strategie insgesamt diskutiert und festgelegt werden.